GUNDELDINGER
FELD
Kompressionen
Verdichtungen und Erweiterungen eines ehemaligen Basler
Industrieareals

Schlussbericht
Vorgeschichte und Projektziele
Die Ausstellung "KOMPRESSIONEN – Verdichtungen und Erweiterungen eines ehemaligen Basler Industrieareals" wollte sowohl die Vergangenheit der Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt AG – sie galt während Jahrzehnten als eine der wichtigsten Produktionsstätten von Grosskompressoren - als auch die Umnutzung und Öffnung des Areals für neue NutzerInnen darstellen und dokumentieren. Teile der Ausstellung sollten danach wenn möglich als Installationen dauerhaft erhalten bleiben.
Projektverantwortung und ProjektmitarbeiterInnen
Als verantwortliche Projektträgerin zeichnete die
Kantensprung AG. Diese Firma wurde von den jetzigen RealisatorInnen des
Umnutzungsprojekts gegründet und hat das Areal im Jahr 2000 von der Käuferin,
der Gundeldinger Feld Immobilien AG, im Baurecht übernommen. Sie konzipierte und
realisierte das Projekt zusammen mit einem Team von Fachleuten, bestehend aus
der Historikerin Sabine Braunschweig, der Ausstellungsgestalterin Ursula
Gillmann, den beiden Künstlerinnen Edith Hänggi und Pascale Grau sowie der
Fotografin Doris Flubacher und dem Fotografen Martin Zeller. Die Ausstellung
fand vom 30. April bis zum 31. Mai 2003 statt und wurde begleitet von diversen
Rahmenveranstaltungen.
KOMPRESSIONEN –
eine Ausstellung auf dem Gundeldinger FeldDie Ausstellung sollte das Publikum auf dem Gundeldinger Feld direkt an die Orte des alten und neuen Geschehens führen und auf verschiedenen Ebenen sowohl intellektuell als auch sinnlich ansprechen. Die einzelnen Ausstellungsstationen, welche im folgenden dargestellt werden, waren daher über das ganze Areal verteilt und umfassten sowohl den Aussenraum als auch verschiedene Innenräume:
Tagtäglich -

Was bleibt –


Streifzüge und Handlungen -
eine Videokomposition von Edith Hänggi
Untertags –
eine Klanginstallation von Pascale Grau
Der Fabrikalltag als Inspirationsquelle

Immer wieder war der Fabrikalltag Inspirationsquelle für
eindrückliche Fotoreportagen. Auch in der Maschinenfabrik Burckhardt haben
Fotografen zu verschiedenen Zeiten den Arbeits- und Fabrikationsalltag
dokumentiert. Eine solche Reportage, in den Siebzigerjahren auf dem Höhepunkt
der Kompressorenproduktion an einem einzigen Tag erstellt, wurde in Halle 1 auf
Grossleinwand präsentiert, ergänzt und kontrastiert durch die fotografischen
Reflexionen ehemaliger Fabrikangestellter aus den letzten Monaten und Wochen vor
der Fabrikschliessung.

KOMPRESSIONEN
im Spiegel der Medien und der BesucherInnenDie Ausstellung wurde von den regionalen Medien gut beachtet und erfreute sich bei Besucherinnen und Besuchern grosser Beliebtheit. Das BaZ-Magazin Nr. 17 vom 26. April widmeten ihr die Titelgeschichte ("Wie eine grosse Familie"), das Regionaljournal Basel und Radio X produzierten je einen Ausstellungsbericht und die regionalen Printmedien berichteten im Vorfeld der Vernissage über die Ausstellung.
Rund 1000 Personen besuchten die Ausstellung, 250 davon
während den 15 öffentlichen und privaten Ausstellungsführungen, welche jeweils
am Mittwochabend und am Samstagnachmittag angeboten wurden. 300 BesucherInnen
kamen zur Vernissage oder zur Finissage, die übrigen besuchten die Ausstellung
zu den täglichen Öffnungszeiten zwischen 10.00 und 17.00 Uhr. Rege benutzt wurde
auch das Ausstellungs-Gästebuch, ein adaptiertes Werkbuch der Maschinenfabrik
Burckhardt. Rund 70, zum grössten Teil positive bis enthusiastische Kommentare
und Eintragungen, zeugen von der Anerkennung und Begeisterung für das Gesehene
und Gehörte.

Besondere Erwähnung verdient die Zusammenarbeit mit Corinne
Siegrist vom Stadtkino Basel. Dort wurden als Begleitprogramm zu KOMPRESSIONEN
am 15. und 29. Mai zwei Dokumentarfilme zur Schweizer Industriegeschichte
gezeigt: "Hans Staub, Fotoreporter" von Richard Dindo, ein Portrait des
bekannten Fotografen, der in den dreissiger Jahren für die damalige "Zürcher
Illustrierte" mit seinen sozialen Reportagen eine Chronik der spannungsgeladenen
Krisenjahre fotografierte, sowie "Schmelzwasser" von Dominik Roost, ein
bewegender Abgesang an die Stahlgiesserei Georg Fischer in Schaffhausen, deren
leere Hallen für sechs ehemalige Arbeiter zu einem eigentlichen
"Erinnerungsraum" werden.
Ziel erreicht? – Ein Fazit
Ziel des Ausstellungsprojektes war es, interessierten Menschen aus dem Gundeldinger Quartier und der Stadt Basel Vergangenheit und Zukunft des ehemaligen Fabrikareals sinnlich erfahrbar zu machen. Nimmt man das Medienecho und die Besucherzahl als Referenz, wurde dieses Ziel klar erreicht. Bei einem Grossteil der Besucher handelte es sich um ehemalige Mitarbeiter der Maschinenfabrik und deren Angehörige, Menschen mit einer starke Bindung zu dem früheren Fabrikgelände, von denen die meisten das Areal seit der Verlegung der Produktion nach Winterthur nicht mehr betreten hatten. Eine zweite starke Besuchergruppe stammte aus dem Quartier, während Besucherinnen und Besucher aus der übrigen Stadt Basel in der Minderzahl waren. Es gelang auch nicht, die Medien nach der Vernissage noch einmal für einen Ausstellungsbeitrag zu gewinnen.
Die Reaktionen der grössten Besuchergruppe zeigten, wie wichtig die Referenz der Ausstellung an die Vergangenheit des Areals war. Die Recherchetechnik der Historikern Sabine Braunschweig ermöglichte es, dass sich die Befragten direkt und ohne kritischen Filter äussern konnten und wahrgenommen wurden. Dies führte bei einigen zu idealisierenden, ja fast verklärten Erinnerungen an die "harte, aber gute alte Zeit", bei anderen aber auch zu einer eigentlichen "Trauerarbeit", das heisst zur Verarbeitung der für viele unverständlichen Schliesssung der kerngesunden Produktionsstätte in Basel.
Hier zeigte sich denn auch ein interessantes, in dieser Form unerwartetes Moment der Ausstellung: Die Schliessung der Maschinenfabrik im Gundeldinger Quartier symbolisiert den Abschluss eines Stücks Basler Industriegeschichte und bis zu einem gewissen Grad auch das zu Ende gehende sogenannte Industriezeitalter. Hier entscheidet nicht mehr der langfristige Erfolg, das heisst etwa ein weltweit renommiertes Produkt und volle Auftragsbücher, über Sein oder Nichtsein eines Industriebetriebs, sondern nur mehr dessen kurzfristige Rendite, der Shareholder Value für die Investoren. Als Folge davon verlieren Fabrikareale, vor allem wenn sie mitten in der Stadt liegen, fast über Nacht ihren Wert als Industriestandort und werden entweder geschleift und völlig neu überbaut oder – wie im Falle des Gundeldinger Feldes - sanft umgebaut und umgenutzt.
Im Falle des Gundeldinger Feldes bietet ein Grossteil der
neuen Nutzer und Nutzerinnen kulturelle und soziale Dienstleistungen an, die
typisch sind für die heutige Bildungs- und Freizeitgesellschaft: Brückenangebote
für Jugendliche, die (noch) keinen Ausbildungsplatz gefunden haben,
Arbeitsplätze für Menschen, die nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie den
Wiedereinstieg in die Arbeitswelt planen, Deutschkurse für MigrantInnen, Väter-
und Mütterberatungsstelle u.v.m. Damit wird das Gundeldinger Feld zu einem
Wahrzeichen für Bedürfnisse und Dienstleistungen des sog. postindustriellen
Zeitalters, so wie die Maschinenfabrik Burckhardt ein Symbol der Gründerzeit und
des Industriezeitalters war. Es muss der Ausstellung KOMPRESSIONEN als Verdienst
angerechnet werden, dass sie diese Gemeinsamkeit zwischen dem Gestern und Morgen
sichtbar und erlebbar machte und damit dem Umnutzungsprozess auf dem
Gundeldinger Feld eine unerwartete und überraschende historische Tiefenschärfe
gab.
Zum Schluss möchten wir allen SponsorInnen, welche mit Ihren Beiträgen die Realisierung des Ausstellungsprojektes überhaupt ermöglichten, unseren herzlichen Dank aussprechen. Es sind dies namentlich: Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) Basel, Christoph Merian Stiftung (CMS), Manor AG, Burckhardt Compression, National Versicherung Basel, Schweizer Unfallversicherungs-Anstalt (SUVA), StageCom sowie zahlreiche kleine Spenderinnen und Spender.
Juli 2003/Matthias Scheurer, Geschäftsführer Kantensprung AG und Projektleiter KOMPRESSIONEN