Das Quartierzentrum im Gundeli
Dornacherstrasse 192 4053 Basel

 
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Konzept und Nutzungsplan

Neues Leben auf dem Gundeldinger Feld

Die Umnutzung des Areals der Maschinenfabrik  Sulzer Burckhardt im Gundeldingerquartier in Basel
Kantensprung AG Dornacherstrasse 192 4053 Basel Tel 061 333 70 70 Fax 061 333 70 77

1. Einleitung

Aufgrund interner Umstrukturierungen des Sulzer Konzerns wurde das Areal der Maschinenfabrik Sulzer Burckardt (MSB-Areal) im Herzen des Gundeldingerquartiers in Basel per Ende 2000 frei. Schon seit 1986 waren im Quartierrichtplan auf diesem Geviert bei einer allfälligen Handänderung quartierbezogene Aktivitäten vorgesehen. Nun wurde der Weg frei, diese zu realisieren.

Das Gundeldingerquartier ist eines der am dichtest besiedelten Quartiere Basels mit einem hohen Anteil an ausländischen Bewohnern. Dem Quartier fehlt ein nicht kommerzieller, überdachter Freiraum, wo sich die Quartierbevölkerung treffen und die verschiedenen Gruppierungen sich kennen lernen können. Auf dem MSB-Areal kann nun ein alter, dringender Wunsch der Quartierbewohner verwirklicht werden:
Das Quartier, welches seit Jahren vom steigenden Durchgangsverkehr geplagt und „zerschnitten" wird, erhält in seiner Mitte einen Freiraum, in dem sich das Quartierleben manifestieren kann. In Ergänzung zum aus der Werkstadt Basel hervorgegangenen Projekt „Boulevard Güterstrasse" soll das ehemalige Gundeldinger Feld zum sozialen und kulturellen Zentrum des Quartiers werden.

Bis vor kurzem war das Areal der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Was die meisten nur von aussen kannten, soll nun von allen Seiten her zugänglich werden, transparent, durchlässig für Fussgänger und Velofahrer.
Durch Umnutzung der bestehenden Gebäude soll eine vielfältig gemischte neue Nutzung ermöglicht werden.
Durch den Auszug der Fabrik wird das Areal der Maschinenfabrik wieder zum freien Feld: Zum Feld der Stadtentwicklung, zum Experimentierfeld, zum „Gundeldinger Feld".

Der vorliegende Bericht zeichnet im ersten und zweiten Kapitel die Geschichte und Kenndaten des Areals nach und beschreibt den Übergang von der Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt zum „Gundeldinger Feld".

Im dritten Kapitel wird das erste Konzept, welches im Mai 2000 von der Initiativgruppe entwickelt wurde, nochmals kurz zusammengefasst.
Das vierte Kapitel beschreibt die ersten Schritte der Umsetzung des Konzeptes.
Das fünfte Kapitel schliesslich listet die neuen öffentlichen und privaten Nutzungen auf, welche in nächster Zukunft auf dem Areal beginnen werden.

Der Bericht ist eine Einführung in die gegenwärtige Situation auf dem Gundeldinger Feld und eine Darstellung des heutigen Standesder Pläne für die Zukunft. Änderungen sind laufend zu erwarten und werden kommuniziert. Der Bericht soll der Leserin, dem Leser einen schnellen Überblick ermöglichen und dazu ermutigen, einen Beitrag - in welcher Form auch immer - zur Bepflanzung des frisch gepflügten Gundeldinger Feldes zu leisten.

Geschichte

Das Areal auf dem damals weiten, freien Gundeldinger Feld wurde vor über hundert Jahren zum Hauptstandort für die Maschinenfabrik Burckhardt gewählt. Am 16. Februar 1889 wurde die Baubewilligung für eine Fabrikanlage zwischen Dornacher- und Gundeldingerstrasse erteilt. 1890 eröffnete die Firma Burckhardt & Cie den Betrieb im neu errichteten Fabrikbau und begründete zwecks Finanzierung mit Partnern die Burckhardt AG.
1969 übernahm Sulzer das Aktienkapital der Burckhardt AG von 2 Mio Franken und wandelte die Firma in die Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt AG um.1982 verlegte Sulzer (Winterthur) den Bürobebereich der Abteilung Kolbenkompressoren nach Basel.1990 wurde die Herstellung von Grosskompressoren nach Basel verlegt.1999 beschloss Sulzer, die Produktion der Kompressoren nach Winterthur zu verlegen und das Areal zum Verkauf auszuschreiben.
Am 1. November 2000 wurde das Areal von der neu gegründeten Gundeldinger Feld Immobilien AG gekauft, um es der ebenfalls neu gegründeten Kantensprung AG im Baurecht zur Umnutzung zu übergeben.

Lage im Quartier

Das Areal der Maschinenfabrik Sulzer-Burckhardt G liegt einen Häuserblock entfernt vom Tellplatz, dem geographischen Zentrum des Gundeldingerquartiers. Im Süden grenzt das Grundstück an die Dornacherstrasse, im Westen an die Bruderholzstrasse und im Norden an die Gundeldingerstrasse, im Osten schliesst eine Brandmauer das Grundstück zu einer Geschäfts- und Wohnüberbauung aus den 60er Jahren hin ab.
Nördlich und südlich des Areals, in der Dornacher- und Gundeldingerstrasse, befinden sich Bushaltestellen der Linie 36, auf der Westseite, in der Bruderholzstrasse eine Haltestelle des 15/16-er Trams. Zum Bahnhof SBB (Passerelle) sind es ca. 10 Gehminuten.
Das Areal ist im Zonenplan als Zone 4 mit Erleichterung für Industriebauten ausgeschieden, die anliegenden Flächen sind der Wohnzone 4 und 5a zugeordnet.
Im Quartierrichtplan Gundeldingen von 1986 wurde das Areal für quartierbezogene Nutzungen reserviert. Eine Fussgängerverbindung quer durch das Areal ist im Quartierrichtplan vorgesehen.
 

Grundstück

Das trapezförmige Grundstück ist 12‘700 m2 gross und zu 85% überbaut. Die Parzelle ist flach und steigt von der Dornacherstrasse zur Gundeldingerstrasse hin leicht an. Die Fabrikhallen sind eingeschossig, die Bürogebäude haben zwei, teilweise drei Etagen. Die Bruttogeschossfläche beträgt 14‘264 m2.
Ausser im schmalen Vorgarten zur Gundeldingerstrasse hin wächst auf dem Grundstück  weder Baum noch Gras. Das Gelände wird durch ein Tor von der Dornacherstrasse her erschlossen. Es existieren zwei weitere Tore zur Bruderholz- und Gundeldingerstrasse, welche lange nicht mehr benutzt worden sind.

Gebäude

Die 1899 gebaute Maschinenhalle, auch „Basilika" genannt, ist eine Holz/Stahlträger Konstruktion mit „Seitenschiffen" und Oberlichtern über dem „Mittelschiff". Die Halle ist aus denkmalpflegerischer Sicht schutzwürdig. Sie soll als Zeugin des Industrie Zeitalters unter Denkmalschutz gestellt werden. Im Süden und Osten schliessen weitere Hallen an, welche durch Oberlichter oder Sheddächer belichtet werden.
Alle Hallen haben eine Raumhöhe von 9 bis 12 m und sind mit Kranbahnen von 10, 15 oder 20 Tonnen Nutzlast ausgestattet.
Im langen, schmalen Gebäude entlang der Bruderholzstrasse sind Büros, Werkstätten und Lagerräume untergebracht. Im Lauf der Jahre kamen weitere Gebäude im Stil der jeweiligen Zeit dazu. Die verschiedenen Gebäude wurden regelmässig unterhalten. Dachflächen und Oberlichter, Fassaden und Fenster der einzelnen Gebäude sind jedoch, ihrem Alter und der Bauweise entsprechend, in unterschiedlich gutem Zustand. Ein Teil der Gebäude kann ohne grosse Änderungen im jetzigen Zustand
weiter genutzt werden, während andere Teile je nach zukünftiger Nutzung zuerst zuerst renoviert und/oder umgebaut werden müssen.
Heizung, Strom- und Wasserversorgung sind zentral organisiert. Begehbare Installations- Tunnels laufen längs und quer unter den Hallen durch. Die ursprüngliche Steinkohlenheizung wurde durch einen Fernwärmeanschluss ersetzt, der Hochkamin
abgebrochen. Unter der einen Halle befindet sich eine Trafostation der IWB, welche zugänglich bleiben muss.
In den achtziger Jahren wurden die Gebäude renoviert. Durch eine grafische Fassadengestaltung wurde versucht, die langen Gebäudefluchten etwas aufzulockern, und dem baugeschichtlichen Puzzle einen einheitlichen Ausdruck zu geben.
Aufgrund des Altlastengutachtens des Geotechnischen Instituts bescheinigt das Gewässerschutzamt, dass kein dahingehender Sanierungsbedarf besteht.

 Die Initiativgruppe Gundeldinger Feld

Kurz nach der Bekanntgabe des Umzugsentscheides der Sulzer Burckhardt AG beschlossen drei Architektinnen und QuartierbewohnerInnen, die einmalige Chance zu nutzen, das Areal der Maschinenfabrik für öffentliche und private quartierbezogene Nutzungen zugänglich zu machen.
Barbara Buser, Eric Honegger und Irene Wigger schlossen sich zur Initiative „Gundeldinger Feld" zusammen, mit dem Ziel, im Herzen des Quartiers einen Ort der Begegnung von sozialer und kultureller Durchmischung zu schaffen, und damit einen Beitrag zur Verbesserung des Wohnumfeldes und der Lebensqualität im Quartier zu leisten.

Die Initiativgruppe erarbeitete ein detailliertes Konzept für die Umnutzung des Areals, welches von der Christoph Merian Stiftung mit einem Beitrag von Fr. 30'000.-- à fonds perdu unterstützt wurde, damit die Gruppe die notwendigen Vorbereitungsarbeiten professionell und innerhalb der gegebenen, engen zeitlichen Limiten leisten konnte.
Alle, die sich für die Zukunft dieses Areals im Zentrum des Quartiers interessierten, seien es potentielle Investoren oder Mieter, Junge und Ältere, ausländische oder inländische Quartier- und Stadtbewohner wurden eingeladen, nach Massgabe ihrer Fähigkeiten und Verfügbarkeit an der Entwicklung dieses Quartierzentrums mitzuarbeiten.

An einer ersten Informationsveranstaltung am 4.4.2000 im Zwinglihaus nahmen ca. 150 Personen teil und bezeugten mit ihrer Anwesenheit das Interesse des Quartiers am Projekt einer gemischten Umnutzung des Areals.
An einer zweiten Informationsveranstaltung am 24.8.2000, nach Bekanntgabe des geplanten Verkaufs des Areals an die Gundeldinger Feld Immobilien AG, nahmen 250 Personen teil und über 50 meldeten sich dabei für die ehrenamtliche Mitarbeit in Arbeitsgruppen an.

Die Gundeldinger Feld Immobilien AG

Aufgrund des detailliert ausgearbeiteten Konzeptes konnten Investoren gefunden werden, welche sich bereit erklärten, das Areal der Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt zu kaufen um die vorgeschlagene, gemischte quartierorientierte Umnutzung zu ermöglichen.

Drei Pensionskassen, die Stiftung Abendrot, die Basel-landschaftliche Pensionskasse und die Sozialfondsstiftung, sowie drei Private schlossen sich zur Gundeldinger Feld Immobilien AG zusammen und kauften das Areal per 1. November 2000. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, um mit der Umnutzung zu beginnen.

Die Kantensprung AG

Die Kantensprung AG ging aus der Initiativgruppe Gundeldinger Feld hervor. Sie wurde von Barbara Buser, Eric Honegger, Irene Wigger, Matthias Scheurer und Pascal Biedermann gegründet, welche gleichzeitig deren Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung bilden.
Die Gesellschaft bezweckt die Umnutzung des Areals der ehemaligen Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt mit dem Ziel, das Areal und seine Gebäude einer gemischten, quartierbezogenen Nutzung zuzuführen. Dabei sollen soziale, kulturelle und kommerzielle Bedürfnisse des Quartiers und seiner BewohnerInnen berücksichtigt und die bestehende Bausubstanz optimal genutzt werden.
Mit dieser Struktur wurde eine Trennung von Grundeigentum und Gebäudeeigentum und -nutzung erreicht. Die Investoren sind Grundeigentümer. Ihre Investition wird über den Baurechtszins verzinst. Die Kantensprung AG ist Baurechtnehmerin und Eigentümerin der Gebäude. Sie führt auf ihre Kosten die notwendigen Renovationen und Umbauten aus und vermietet die Gebäude weiter an die einzelnen Nutzer. Nutzer können Eigenkapital einbringen, um ihren Mietzins zu reduzieren und werden so auch vermehrt in die Verantwortung eingebunden.

 

Impressum: Text und Redaktion: Barbara Buser und Matthias Scheurer    Ó Kantensprung AG Basel